Schulpartnerschaft zwischen der

Marie Curie Schule KGS Ronnenberg

und der

M&K Gertze High School in Rehoboth Namibia



Chor der M&K Gertze High School

Die M&K Gertze High School in Rehoboth ist eine staatliche Schule mit etwa 700 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 8 bis 12. Sie führt zum Schulabschluss nach der 10. Klasse, sowie zum höchsten namibischen Schulabschluss nach der 12. Klasse. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die M&K Gertze School ist eine von drei Sekundarschulen in Rehoboth, einer Stadt von ca. 30000 Einwohnern, die 90km südlich von Windhoek, der Hauptstadt Namibias liegt.

Rehoboth ist das Zentrum der Baster (wie sie sich selbst mit Stolz bezeichnen), deren Vorfahren 1868 als Nachkommen von südafrikanischen Buren und Nama in einem großen Treck vom Kap nach Rehoboth kamen. Bis zur Unabhängigkeit Namibias besaßen sie einen Sonderstatus mit einer eigenen Verfassung.  Auch heute noch wahren die Baster ihre traditionellen Strukturen, wozu ein gewählter Baster-Rat und ein Kapitän gehören. Die Baster stellen etwa 2,5 Prozent der namibischen Bevölkerung. Ihre Muttersprache ist Afrikaans und ihre Kultur ist traditionell evangelisch-lutherisch geprägt.


ev. luth. Kirche


Blick auf Rehoboth


Museum in Rehoboth

Die Partnerschaft zwischen der M&K Gertze High School und der Marie Curie Schule besteht offiziell seit 2001. Begegnungen von Delegationen beider Schulen fanden 2001 in Namibia, 2002 in Ronnenberg, dann wieder 2004 in Rehoboth statt, mit Folgebesuch 2005 in Ronnenberg.

Die Zusammenarbeit wird in der M&K Gertze High School in Rehoboth von einem Komitee koordiniert, in der Marie Curie Schule durch die Namibia-AG, in der etwa 20-30 Schülerinnen und Schüler, KollegInnen, sowie ehemalige SchülerInnen aktiv sind.

Entsprechend den Leitgedanken wird die Partnerschaft durch gemeinsame gleichberechtigte Projekte getragen, wobei die Schwerpunkte in den letzten Jahren bei folgenden Themen liegen:


HIV-Demonstration in Rehoboth

 

HIV-Bewusstseinskampagne

Gemeinsame Anstrengungen führten zur bisher größten Straßendemonstration für Maßnahmen gegen HIV-Aids in Rehoboth. Anlässlich des Partnerschaftsbesuchs in Ronnenberg 2005 wurde in der Marie Curie Schule ein von Schülerinnen und Schülern selbstgeschriebenes Theaterstück vor vollbesetzter Aula aufgeführt. Anschließend folgte eine englisch-deutsche Plenumsdiskussion mit einem HIV-Positiven und einem Psychologen.

 

First Aid Room in Rehoboth


Vertreter des Ministeriums, Schulleiter B. Greeves, Bürgermeisterin, H. Schlegel,
W. Grabow (Johanniter)


Erste Gruppe von Sanitäter/innen

Nach dem Vorbild der Marie Curie Schule hat die Partnerschule jetzt einen Erste-Hilfe-Raum und eine ausgebildete Sanitätergruppe. Die Schülerinnen und Schüler werden im Notfall vom Sekretariat aus gerufen und leisten Erste Hilfe. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kollegin Heike Schlegel, die in der Marie Curie Schule die Erste-Hilfe AG leitet, haben Kolleginnen der Partnerschule in Zusammenarbeit mit den Johannitern in Namibia eine Sanitätergruppe ins Leben gerufen.  In der M&K Gertze High School wurde der First-Aid-Room im Juli 2004 unter Anwesenheit von Vertretern der Stadt, des Gesundheitsministeriums und des Johanniter-Hilfswerkes in Namibia feierlich eröffnet.

Inzwischen wurde in Rehoboth bereits die zweite Generation von SanitäterInnen ausgebildet.

 

Umweltschutz


Acacia Forest bei Rehoboth


Treffen mit Bürgermeister, StadträtInnen, Vertreter des Ministry of Environment and Tourism zum Gespräch über den Acacia Forest 2004

Gemeinsames erklärtes Ziel ist es, den einmaligen Akazienwald in der Nähe von Rehoboth zu einem Naturschutzgebiet umzuwandeln und dabei gemeinsam an der Gestaltung mitzuwirken. Obwohl die Kameldornbäume in Namibia gesetzlich geschützt sind, konnten wir uns während der Partnerschaftsreise 2004 davon überzeugen, dass Bäume gefällt werden. Es fanden Treffen und Diskussionen mit den zuständigen Behörden (Ministry of  Environment and Tourism), Bürgermeister und Stadträten von Rehoboth statt. Während des Partnerschaftsbesuches in Deutschland 2002 wurden im Harz ein mehrtägiges Seminar zum Waldschutz durchgeführt. Zusammen mit den Vertretern der Partnerschule wurde 2005 der Naturpark Steinhuder Meer erkundet, in dem Naturschutz und Freizeit- bzw. Tourismusangebot vorbildlich verbunden sind. In einem Seminar in Wennigsen 2006 mit Wolfgang Fiedler, Leiter der Naturschutzbehörde der Region Hannover, wurden Konzepte für Naturlehrpfade vorgestellt und diskutiert. (Perspektive: Gestaltung von Naturlehrpfaden in Projekten in Namibia)


Pflanzaktion Partnerschaftsbäume in
Stemmen, Calenberger Land


Vortrag mit Diskussion über Eco-Tourism
von MP Mr. Dax


Erkundung des Naturparks Steinhuder Meer
beim Gegenbesuch 2005


Solarprojekt: Besichtigung einer Solaranlage

Solarprojekt und Energiekonzept

Eine Projektgruppe (vor allem Physikschüler des 12 Jahrgangs, Mitglieder der Namibia-AG, sowie KollegInnen) befasst sich in Zusammenarbeit mit KollegInnen und SchülerInnen in Rehoboth mit der Planung von Fotovoltaiksystemen auf beiden Schulen. In Ronnenberg ist für dieses Jahr der Bau einer 4kWp-Anlage geplant. Ein gemeinnütziger Verein wird gegründet, um die Einnahmen (Stromverkauf nach dem Einspeisegesetz) zu verwalten. Die Einnahmen sollen außer zur Realisierung energiesparender Maßnahmen und der Förderung regenerativer Energiequellen auch verwendet werden können, um die Finanzierung einer entsprechenden Anlage in Rehoboth zu sichern. Dort laufen Verhandlungen mit einer namibischen Firma, um eine ähnliche Anlage auf der M&K Gertze High School aufzubauen. Es sind gemeinsame vergleichende Messprojekte geplant, die in der namibischen Öffentlichkeit (National Science Fair) und hier präsentiert werden sollen. Für die Projektdurchführung in Namibia sind Verhandlungen mit dem Schulträger sowie dem Stromversorger vorgesehen, die zu modellhaften Verträgen führen sollen, um der Schule einen Gewinn für die Stromerzeugung, aber vor allem auch durch zusätzliche energiesparende Maßnahmen zu ermöglichen.

In der Marie Curie Schule ist das Solarprojekt Teil eines Energiekonzeptes,  das gerade unter zwei Aspekten entwickelt wird:

In großen Displays in beiden Partnerschulen sollen die aktuellen Leistungen der PV-Anlagen hier und in Rehoboth (über Internet übertragen) jederzeit für die Schulöffentlichkeit sichtbar präsentiert werden. 

 

Reisende Schule


Partnerschaftsreise 2004


Tomy mit seiner Gastfamilie in Rehoboth

Partnerschaft braucht menschliche Begegnung. Die Reisen nach Namibia und auch Gegenbesuche sind wichtig, um sich gegenseitig kennen zu lernen, um die Lebenswelt des anderen wahrzunehmen und das Konzept der Partnerschaft und alltägliche Fragen und Probleme zu diskutieren. Die Unterbringung in Familien ist grundlegend für das gegenseitige Verständnis.

Im Zusammenhang mit der Planung von Partnerschaftsbegegnungen entwickelt die beteiligte Gruppe der Marie Curie Schule mehr und mehr Selbstständigkeit, sie orientiert die Reise zum namibischen Partner an der afrikanischen Lebenswirklichkeit, begreift das Reisen als lebendiges Lernen und entwickelt eine Praxis der Gruppensolidarität. Wir orientieren uns am Konzept der „Reisenden Schule“ (Tvind). Dieses Konzept schließt den Missbrauch unserer Partnerschaft für „billigen Tourismus“ aus.

 

Internetkommunikation

Computerarbeit "German Room" M&K Gertze High School 2004 und Marie Curie Schule 2005

Grundlegend für Partnerschaftskontakte ist die funktionierende Kommunikation. Für unsere Schülerinnen und Schüler ist es möglich, von der Schule oder von zuhause aus, Emails zu versenden oder durch verschiedene Programme (ICQ, yahoo messenger) ständig in Kontakt mit Freunden hier und weltweit zu treten. Deswegen war es besonders wichtig, dass die Partnerschule den Schülerinnen und Schülern Internetzugang ermöglicht, den kaum einer zuhause besitzt. Es gibt einen „German Room“, der (neben dem Computer-Raum für regulären Unterricht) mit Computern vom Namibian Schoolnet sowie einem Internetanschluss ausgestattet ist.  Nach den Regeln des Namibian Schoolnet verpflichtet sich die Schule, den Schülern den Internetzugang regelmäßig zu gewähren. Während unserer Partnerschaftsreise 2004 gelang es unseren Schülerinnen und Schülern, ihre Partner in den Umgang mit Emails und dem Internet einzuweisen. Dadurch konnten anhaltende Emailkontakte aufgebaut werden. Für die Durchführung von Videokonferenzen haben wir Headset und Videokamera beigetragen.

Gestaltung eines Jugendtreffpunktes in Rehoboth

In Vorbereitung auf eine gemeinsame Aktion zur Gestaltung eines Jugendtreffpunktes hat die Partnerschule ein Grundstück in Rehoboth von der Stadtverwaltung zugesprochen bekommen. Bei dem nächsten Partnerschaftsbesuch soll gemeinsam an diesem Treffpunkt gearbeitet werden. Die Idee dazu war während des Partnerschaftsbesuches 2005 entstanden. Teil des Programms war der Besuch des Jugendzentrums Wennigsen gewesen.

 

Versöhnungscamp

Im Juli 2004 fanden während der Partnerschaftsreise nach Namibia Gespräche mit Vertretern der Hereros (Vertreter zweier Königshäuser beim National Council) über die koloniale Vergangenheit, den Völkermord sowie zukünftige Beziehungen zwischen Hereros und Deutschen statt. Dabei entstand die Idee einer Begegnung zwischen deutschen und namibischen Jugendlichen (Hereros, Nama, Baster und deutschsprachiger Namibier), die in Form eines gemeinsamen Workcamps mit zukunftsweisenden Projekten (z. B. Erstellung von Naturlehrpfaden) stattfinden könnte. Die Begegnung sollte auch ermöglichen, die gemeinsame Geschichte durch Besuch historischer Stätten zu erkunden, sowie gegenseitig Kultur und Lebensalltag kennen zu lernen.

Gespräch mit Hererovertretern Rudolph Hongoze und Festus Tjikuua

Nach Gesprächen mit unseren Partnern, dem deutschen Botschafter sowie Vertretern der Ovaherero und Nama wurde gemeinsam ein Dokument unterzeichnet, in dem solch ein Projekt als Ziel erklärt wurde. Auf der nächsten Partnerschaftsreise sollen Begegnungen die Unsetzung dieses Ziels konkretisieren. In Gesprächen unsererseits mit der namibischen Botschaft in Berlin, BMZ in Bonn und Berlin wurde dieses Vorhaben sehr positiv aufgenommen und Unterstützung zugesichert. An erster Stelle steht die Kontaktaufnahme unserer Schülerinnen und Schüler mit Namibiern, die mit ihnen zusammen solch ein Projekt initiieren könnten. Es ist uns aber klar, dass wir, auch in Zusammenarbeit mit unserer Partnerschule, solch ein Projekt nicht allein organisieren können, sondern auf die Zusammenarbeit mit Organisationen angewiesen sind, die in diesem Bereich arbeiten.


Empfang bei Botschafter Dr. Wolfgang Massing in Windhoek 2004


Empfang in der namibischen Botschaft
Berlin 2005

Einbindung der Partnerschaft in den Schulalltag


Namibia Kulturabend: Schüler der Marie Curie Schule Martin Röhrig spielt Marimbafon


Stellwände und Schaukästen informieren ständig über Namibia-Arbeit

Die Marie Curie Schule ist auf dem Weg zur „Umweltschule in Europa – Agenda 21 Schule“. In diesem Zusammenhang wird auch ein bilinguales Konzept erarbeitet. Die internationale Arbeit sowie die Partnerschaften mit Schulen in Europa und Namibia sollen noch eine wesentlich stärkere Rolle im Schulalltag erhalten.

Namibia ist und war thematischer Schwerpunkt in mehreren Geografiekursen. Auch in den schriftlichen Abiturarbeiten sind mehrfach Themen mit Schwerpunkten aus Namibia sowie dem südlichen Afrika bearbeitet worden.

Im Rahmen der Reihe „Marie Curie meets the World“ wurde 2005 ein öffentlicher Namibia-Kulturabend zusammen mit unseren Partnern gestaltet, wobei Hintergrundberichte gegeben, Bilder und Filme gezeigt wurden,  Marimbamusik gespielt wurde. Es gab namibische Gerichte und einen Fühlparcours. Die Organisation dieser Veranstaltung lag in der Hand engagierter Schülerinnen und Schüler.

Das Fotovoltaikprojekt wird von Schülerinnen und Schülern im 12.Jahrgang getragen, die im Rahmen des Physikunterrichts Referate über Fotovoltaik ausgearbeitet haben und die Anlage in Zusammenarbeit mit Lehrern planen.

In der Namibia AG setzen sich die jüngeren Schüler mit grundlegenden Informationen über Namibia, der Partnerschule, sowie über das Leben in Rehoboth auseinander. Sie stellen sich über Emails persönlich vor. Die älteren  Schülerinnen und Schüler arbeiten Präsentationen über die verschiedenen Völker Namibias, über die Kolonialgeschichte und die Geschichte der Baster aus.

Ein Klassenraum wird gegenwärtig als Treffpunkt für die Namibia-AG gestaltet. Dort finden außer den AG-Treffen auch regelmäßig kleinere Pausentreffen zum Austausch aktueller Informationen statt. 

 

Aussichten: weitere Pläne für die Partnerschaft

Innerhalb der Schulpartnerschaft gibt es noch viele mögliche zukünftige Projekte. Folgende sind ins Auge gefasst bzw. werden seit einiger Zeit diskutiert:

Die Selbstverständlichkeit, mit der sich ehemalige Schülerinnen und Schüler unserer Schule, die in der Nord-Süd-Arbeit aktiv waren und dabei junge Menschen über gemeinsame Projekte kennen lernen konnten,  sich heute in der Welt zu Hause fühlen,  sich aus eigener Initiative in sozialen Projekten z.B. in Lateinamerika engagieren, ermutigt uns in unserer internationalen Arbeit weiterzumachen, sie zu vertiefen.  Vor allem die persönliche Begegnung hilft, den eigenen Lebensstil zu relativieren und die Verantwortung für Eine Welt zu festigen.

 

Ulrich Claußen (Leiter der Namibia-AG)