Autoren: Herta Steinbach 10 G 1 KGS
Ronnenberg |
Protokoll der Gesamtkonferenz der KGS Ronnenberg vom 08.12.2000
(Auszug)
Frau Fränkel, Schulleiterin: Ich komme zum
Tagesordnungspunkt 5 „Ein Name für unsere Schule“. Dazu gibt es
einen Antrag der SV. Wer von der Schülervertretung stellt ihn vor?
Tim Behrmann, Schülervertreter: Wir möchten, dass unsere
Schule einen richtigen Namen bekommt. In der SV haben wir überlegt,
nach welcher Persönlichkeit die Schule benannt werden sollte. Dazu
sagt jetzt Herta etwas.
Herta Steinbach, Schülervertreterin:
Nach unserer Auffassung soll die KGS Ronnenberg nicht Goethe-,
Schiller- oder Leibnizschule heißen. Nach diesen Persönlichkeiten
sind schon tausende Schulen in Deutschland benannt. Außerdem sagen
solche Namen gerade uns Schülern oft nicht viel. Wir wollten einen
Namen, mit dem Jüngere und Ältere was anfangen können. Deshalb haben
wir uns nach ausführlicher Diskussion darauf geeinigt, dass unsere
KGS „John-Lennon-Schule“ heißen soll. Warum? Das erklärt jetzt
Sascha.
Sascha Müller, Schülervertreter: Es ist schon ein
merkwürdiger Zufall, dass heute auf den Tag genau vor 21 Jahren der
Sänger und Gitarrist John Lennon in New York starb. Er war der Kopf
der berühmtesten Band aller Zeiten, der „Beatles“. John Lennon war
und ist für Millionen Menschen nicht nur Idol, sondern sogar Vorbild
– für Leute in verschiedenen Ländern. Er war und ist sehr bekannt,
ja geradezu einzigartig, und hat sich für bedeutende Werte
eingesetzt. Franzi, kannst Du mal weitermachen?
Franziska
Kruppa, Schülervertreterin: Ja, mit John Lennon können sich
verschiedene Generationen identifizieren. Er ist ein echtes Vorbild,
wenn auch manchmal gegen die Strich – so hat er auch mal ein paar
Drogen ausprobiert, aber wieder ins richtige Leben zurückgefunden.
Seine Songs haben Jahrzehnte überdauert und sind mindestens so
berühmt wie Goethes „Faust“ oder Schillers „Räuber“. Der Ruf und das
Ansehen der KGS würden durch den Namen „John-Lennon-Schule“
sicherlich gestärkt.
Frau Fränkel, Schulleiterin: So weit zum
Antrag der SV. Ich selbst bin hin- und hergerissen von diesem
ungewöhnlichen Vorschlag. Ich bitte um Wortmeldungen.
Herr
Tütenhaupt, Lehrer: Ich finde es erst einmal gut, dass sich die SV
überhaupt was überlegt hat, das ist schließlich nicht immer so.
Allerdings bekomme ich bei John Lennon ziemliche Bauchschmerzen. Ein
langhaariger Bürgerschreck, der freie Liebe vor Fernsehkameras
praktizierte, kann kein Vorbild sein. So ein Typ provoziert ja noch
heute.
Herr Wolf, Lehrer: Also, John Lennon war ein Riesenvorbild
vor allem für uns 68er, zu denen ich mich ja zählen darf. Er hat
gegen den dreckigen Krieg der Amerikaner in Vietnam protestiert und
ist für Menschenrechte eingetreten; deshalb wäre er ein sehr guter
Namensgeber.
Frau Huschke, Elternvertreterin: Bei allen Vorzügen
eines John Lennon – die Zeiten ändern sich so schnell. Der Name
einer Schule sollte aber doch was Bleibendes sein.
Sascha
Müller, Schülervertreter: Das sind alles Argumente, die Sie im
Prinzip auch gegen berühmte Schriftsteller, Musiker oder Politiker
vorbringen könnten. Brecht war sehr umstritten, und auch um Willy
Brandt gab’s heftige Kontroversen. Lennon hat sich sehr für Frieden
und Gerechtigkeit eingesetzt – denken Sie nur an seine Songs „Give
peace a chance“ oder „Imagine“. Der Mann ist sogar ermordet worden
von einem Fanatiker, dem John’s Engagement nicht passte. Und dass
Lennon mal ein nacktes Happening veranstaltet hat – na und? Nur
durch außergewöhnliche Aktionen findet man überhaupt Gehör. Wir
haben unseren Vorschlag lange diskutiert und bitten jetzt um
Zustimmung.
Zwischenruf: Habt ihr mal ’ne CD da? Man könnte sich
ja mal ’nen Song anhören!
Frau Hirschenbruch, Lehrerin: Also,
bevor wir da was übers Knie brechen - wir müssten erstmal wissen, ob
alle Schüler das gut finden oder nur eine Hand voll SV-Leute. Habt
ihr mal eine Umfrage gemacht? Außerdem: Was sagen die Eltern
dazu?
Herr Überreuter, Lehrer: Die Fragen könnten von mir sein.
Ich will nur noch auf zwei Probleme hinweisen: Was sagt die
Bezirksregierung, und was hält wohl der Schulträger von dieser
Namensgebung? Ob das in Ronnenberg möglich ist?
Herta
Steinbach, Schülervertreterin: Man muss einfach Mut haben. Klar,
jedes Idol hat Anhänger und Gegner. Man muss John Lennon ja nicht
lieben und kann ihn trotzdem respektieren. Mein Freund geht auf die
Schillerschule – der liebt Schiller auch nicht gerade, aber er kann
damit leben.
Frau Fränkel, Schulleiterin: Also ich habe
Sympathien für den SV-Vorschlag, aber ich verstehe auch die
Einwände. Gibt es noch Wortmeldungen?
Frau Knippschild,
Elternvertreterin: Ich finde, wir haben bei unserer Diskussion einen
Aspekt nicht beachtet. Dieser Lennon war doch ein steinreicher Typ –
was der für Geld gemacht hat. Ich denke, man kann schon einen
ungewöhnlichen Namensvorschlag machen – aber dann sollte es eher ein
Engel der Armen sein, Mutter Teresa oder so. Das steht für wirkliche
Nächstenliebe!
Zwischenruf: Warum diskutieren wir überhaupt
so lange über einen solchen Blödsinn? Wir haben wichtigere Punkte
auf der Tagesordnung.
Frau Fränkel, Schulleiterin: Diese
Bemerkung habe ich überhört! Ich sehe aber jetzt keine Wortmeldung
mehr. Damit kommen wir zur Abstimmung. Ich stelle fest: Der
Vorschlag der SV zur Benennung der KGS Ronnenberg als
„John-Lennon-Schule“ ist mit knapper Mehrheit angenommen. (Beifall
und Buhrufe). Ich werde diesen Beschluss umgehend an den
Schulträger weiterleiten, dessen Gremien dann endgültig entscheiden
werden.
Nachtrag: Im 1. Halbjahr 2001 befassen sich Schul-,
Kultur- und Verwaltungsausschuss der Stadt Ronnenberg mit dem Antrag
der Schule. Am 09. Oktober 2001 – Lennon wäre an diesem Tag
61 Jahre alt geworden - entscheidet die Ratsversammlung endgültig:
der Name „John-Lennon-Schule“ wird abgelehnt. Stattdessen empfiehlt
die Ratsmehrheit, die Schule nach dem verdienten Ratspolitiker
Ernst-Egon Beinlich zu benennen. Der 1994 verstorbene ehemalige
Landrat hatte den Bau der Schule wesentlich vorangetrieben und
seinerzeit für die Finanzierung durch den Landkreis gesorgt.
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